Historie


1763

Herzogin Elisabeth Friederike Sophie hatte sich Schloss Fantaisie nach ihren Vorstellungen einrichten lassen. Die Brüder Johann Friedrich und Heinrich Wilhelm Spindler wurden mit der Ausstattung eines Schreibkabinetts im Obergeschoss des Westflügels beauftragt. Im Jahre 1765 wurde das Kabinett fertiggestellt.

 

1793

Nach dem Tod von Friederike Sophie wurde die edle Raumverkleidung ausgebaut und verkauft. Herzogin Dorothee Sophie erwarb 1793 das Schloss, kaufte das Intarsienkabinett zurück und ließ es durch den Stuttgarter Hofschreiner Johannes Klinkerfuß restaurieren.

 

1937

Der NS-Lehrerbund unter Gauleiter Wächtler (Bayreuth) plante in Schloss Fantaisie ein repräsentatives Schulungszentrum, weshalb der Schlossbesitzer, Graf von Wrede, zu einem "freiwilligen" Zwangsverkauf gezwungen wurde. Während der Lehrerbund Schloss Fantaisie zu einem Spottpreis erwarb, wurde das Kabinett auf dem Kunstpreis zum Verkauf angeboten.

 

1943

Das Spindler-Kabinett wurde über Venedig nach Nordamerika verkauft.

 

1945

Erste Nachforschungen und Rückholbemühungen durch den ehemaligen Generalkonservator Dr. Heinrich Kreisel (zuerst Leiter Bayer. Landesamt f. Denkmalpflege und 1938-1945 Leiter d. Museumsabteilung der Bayer. Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen).

 

1955

Dr. Kreisel konnte das Spindler-Kabinett im City-Art-Museum in St. Louis ausfindig machen. Allerdings war die geplante Rückführung nach Deutschland nicht sofort möglich, einerseits wegen der komplizierten Finanzlage der Bayer. Staatsregierung, anderseits wegen fehlender museumsgerechter Ausstattung des Schlosses Fantaisie.

 

1960

Für seine Pläne, das Kabinett aus Amerika zurückzuholen, konnte Dr. Kreisel den damaligen Generaldirektor des Bayerischen Nationalmusuems, Dr. Theodor Müller, gewinnen. Durch die Vermittlung von Dr. Huth, einem deutschen Kunstgelehrten in Chicago, erfolgte schließlich die Rückführung. Der seinerzeit vom City-Art-Museum gezahlte Betrag von DM 82.000 wurde zu zwei Dritteln vom Freistaat Bayern und zu einem Drittel von dem im Jahre 1960 gegründeten Freundeskreis des Bayerischen Nationalmuseums aufgebracht. Da der angestammte Ort, Schloss Fantaisie, noch nicht als Museum genutzt werden konnte, wurde das Kabinett zunächst im Bayerischen Nationalmuseum München untergebracht.

 

1988

Aus Sorge um den Erhalt von Schloss Fantaisie, das dem langsamen Verfall preisgegeben war, gründeten im Jahre 1988 engagierte Bürger den Förderverein Schloss Fantaisie. Das Engagement des Vereins richtet sich auf das Schloss, die historische Parkanlage und das Gartenkunst-Museum. Ganz besonders hat sich der Förderverein für das Spindler-Kabinett eingesetzt; denn das Fehlen dieses Herzstückes hätte die geistige und künstlerische Einheit dieser einzigartigen Gesamtanlage für immer zerrissen.

 

1998

Der fragile Zustand des originalen, nicht mehr vollständigen Kabinetts ließ die Entscheidung reifen, statt des Originals eine "Neuschöpfung" entstehen zu lassen. Dieser Vorschlag des Bayer. Ministerpräsidenten, Dr. Edmund Stoiber, fand bei allen Interessenvertretern volle Zustimmung. Die Kosten von ca. DM 627.000 übernahm der Freistaat Bayern zu 50 %, der Freundeskreis des Bayer. Nationalmuseum stellte DM 150.000, die Oberfrankenstiftung DM 127.000 und der Landkreis Bayreuth DM 50.000 zur Verfügung. Nur durch die nie nachlassenden jahrzehntelangen gemeinsamen Bemühungen von Landkreis, Großgemeinde Donndorf-Eckersdorf, Oberfranken und dem Förderverein Schloss Fantaisie wurde es möglich, das Spindler-Kabinett neu zu erschaffen. Besonders nachhaltig und erfolgreich waren dabei die Bemühungen der Landtagsvizepräsidentin a.D., Frau Anneliese Fischer, der Staatsminister a.D., Simon Nüssel und Georg von Waldenfels, der Landtagsabgeordneten, Walter Nadler und Dieter Heckel, des Landrats, Dr. Klaus-Günter Dietel, und von Frau Hilde Schwarz vom Förderverein Schloss Fantaisie.

 

2000

Am 26. Juli 2000 fand die feierliche Präsentation der Neuschöpfung des Spindler-Kabinetts anlässlich der Eröffnung des Gartenkunst-Museums in Schloss Fantaisie statt.

 

 


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Neuschöpfung des Spindler-Kabinetts


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