Rede von Herrn Staatsminister Professor Dr. Kurt Faltlhauser

anlässlich der Eröffnung des

1. Gartenkunst-Museums Deutschlands in Schloss Fantaisie am 26. Juli 2000

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich heiße Sie herzlich willkommen in Schloss Fantaisie.

 

Heute ist ein ganz besonderer Tag für die ehemalige Sommerresidenz der Markgrafentochter Elisabeth:

* Zum einen wird das erste Gartenkunst-Museum Deutschlands in Schloss Fantaisie der Öffentlichkeit nach neunjähriger Planungs-, Konzeptions- und Bauphase vorgestellt und übergeben,

* zum anderen ist erstmals ein Nachbau des weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Spindler-Kabinetts für die Besucher an seinem Ursprungsort zu besichtigen.

 

Schloss Fantaisie ist aber nicht nur wegen seines neuen Innenleben eine echte Bereicherung für die Schlösserverwaltung, sondern auch wegen seiner Kombination aus Museum und Garten.

Viele der von der Schlösserverwaltung betreuten 43 Burgen, Residenzen und Schlösser sind von prachtvollen Parkanlagen umgeben. Denken Sie etwa an die Eremitage in Bayreuth, den Schlosspark in Nymphenburg oder den Hofgarten in Würzburg. Jeder dieser Gärten hat seine eigene - manchmal auch wechselvolle - Geschichte und trägt die Handschrift seines Schöpfers.

Aufgrund der Vielfalt und Fülle unterschiedlichster Gartenanlagen hat sich für die Schlösserverwaltung vor gut zehn Jahren die Frage gestellt: Warum gibt es kein deutsches Museum, dass sich der Geschichte der Gartenkunst widmet? Von der Idee bis zur heutigen Eröffnungsfeier war es jedoch ein langer und steiniger Weg, viele Probleme mussten gelöst werden.

 

Standort

Am Anfang stand die Klärung der Standortfrage. Wo sollte dieses einzigartige und ehrgeizige Projekt verwirklicht werden? Auf der Suche nach einem passenden Standort fiel die Wahl aus drei Gründen auf Schloss Fantaisie in Donndorf:

* Erstens ist Schloss Fantaisie von einem reizvollen Gartenkunstwerk mit Gestaltungselementen aus drei bedeutenden Entwicklungsphasen der Deutschen Gartenkunst umgeben.

* Zweitens ist Schloss Fantaisie neben der Eremitage und Sanspareil die dritte bedeutende Gartenanlage Bayreuther Gartenkunst.

*Drittens stand Schloss Fantaisie, als Sommerresidenz 1761 für die Markgrafen-Tochter Elisabeth Friederike Sophie erbaut, seit vielen Jahren leer.

Nachdem die Standortfrage geklärt war, konnte die Idee dann Schritt für Schritt in die Tat umgesetzt werden.

Finanzierung:

Der erste wichtige Schritt war die Unterzeichnung des Vertrages über die Einrichtung und den Betrieb dieses Museums am 15. März 1991. Damals vereinbarten der Freistaat Bayern, der Regierungsbezirk Oberfranken, der Landkreis Bayreuth und die Gemeinde Eckersdorf vor allem bei der Finanzierung der Personalkosten des künftigen Museums zusammenwirken.

Der zweite Schritt war die Klärung der Finanzierung der notwendigen Bauarbeiten und der Inneneinrichtung. In Zeiten knapper Staatskassen ist es keine Selbstverständlichkeit, ein neues Museum einzurichten. Aber Bayern als Kulturstaat zu erhalten ist uns Aufgabe und Verpflichtung zugleich. Daher bewilligte der Haushaltsausschuss des Bayerischen Landtages am 9. Februar 1994 das Projekt.

 

Sanierung

Mit der Bereitstellung der Mittel konnte die Generalsanierung in Angriff genommen werden. Diese war kompliziert und langwierig. Das Gebäude befand sich in einem desolaten Zustand.

Das Schloss "Fantaisie" - dessen Name soviel wie "Glück", "Lust", "Laune" bedeutet - diente über die Jahrhunderte vielen Herren als Heimat. Um- und Erweiterungsbauten zeugen aus der wechselvollen Vergangenheit. Schritt für Schritt hat die Bayerische Schlösserverwaltung in enger Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Hochbauamt Bayreuth Schloss Fantaisie mit Sachverstand, Engagement und einem finanziellen Aufwand von rund 8 Millionen DM als "Glücks-Schlösschen" wieder auferstehen lassen.

Auswahl der Exponate:

Meine sehr geehrte Damen und Herren,

mit der Durchführung der aufwendigen Sanierungs- und Baumaßnahmen allein war es jedoch noch nicht getan. Erst mit der richtigen Auswahl der Exponate kann einem Museum Leben eingehaucht werden.

Zuweilen kommt es vor, dass Kunstsammlungen in Depots lagern müssen, weil Räume für die Präsentation fehlen. Im Fall des Gartenkunst-Museum Schloss Fantaisie war die Situation umgekehrt: Die bauliche Hülle für das Museum war vorhanden, eine themenspezifische und ausstellungswürdige Sammlung jedoch fehlte. Zunächst wurden deshalb aus den verschiedenen Depots der Bayerischen Schlösserverwaltung Objekte ausgewählt, die sich für das Gartenkunst-Museum eigneten.

So kommt aus Linderhof eine prunkvolle Gartenvase aus der Zeit König Ludwig II., aus Dachau eine Gartenbank aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, aus Veitshöchheim vier originale Gartenskulpturen des berühmten Rokoko-Bildhauers Ferdinand Tietz und aus der Residenz München mehrere Gemälde sowie Porzellan des 18. und 19. Jahrhunderts.

 

Ankäufe

Dieser Grundstock an Exponaten war jedoch für eine attraktive Gestaltung des Gartenmuseums bei weitem nicht ausreichend und musste durch Ankäufe gezielt ergänzt werden. Von 1994 bis 1999 wurden mehr als 600.000 DM für den Ankauf von Ausstellungsstücken für das Gartenkunst-Museum Schloss Fantaisie zur Verfügung gestellt.

Neben den Ankäufen haben zahlreiche Leihgeber dazu beigetragen, die Lücken in der ständigen Ausstellung des Museums zu schließen.

Präsentation im Gartenkunst-Museums:

Zusammen mit den Leihgaben können im Gartenkunst-Museum Schloss Fantaisie annähernd 200 originale Exponate - darunter viele Unikate - gezeigt werden, die Gartenkunstgeschichte anschaulich und lebendig machen sollen. Sie werden in 18 Ausstellungsräume präsentiert. Jeder Raum ist einem eigenen Thema gewidmet.

 

Garten

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

das größte und vor allem auch das interessanteste Ausstellungsstück ist jedoch der Garten von Schloss Fantaisie. Er ist die Fortsetzung des Museums im Freien. Dieses historisch gewachsene Gartenkunstwerk vereint in nahtloser Abfolge Gestaltungs- und Ausstattungselemente aus drei wichtigen Entwicklungsphasen der deutschen Gartenkunst.

* aus dem Rokoko,

* der Zeit der Empfindsamkeit und

* dem Historismus.

Außerdem wurden seit 1992 Schritt für Schritt verschiedene, historisch belegte Bestandteile und Erscheinungsbilder des Gartens wiedergewonnen. Hierzu zählen das

* Labyrinth und die Heckenräume östlich vom Schloss,

* der Küchengarten mit alten Obstbaumsorten,

* das Teppichbeet nördlich vom Schloss,

* die Rasenspirale am Neptunbrunnen sowie

* die südliche Schlossterrasse.

Für diese gartendenkmalpflegerische Maßnahmen wurde in den vergangenen acht Jahren fast eine halbe Million DM aus dem Etat der Bayerischen Schlösserverwaltung zur Verfügung gestellt. Nicht zu vergessen sind die Mittel aus dem Bauunterhalt in Höhe von rund zwei Millionen DM, die zwischen 1994 und 2000 unter anderem

* für die Restaurierung und Wiederinbetriebnahme des Neptunbrunnens,

* die Sanierung der Stützmauer,

* die Wiederherstellung der Balustrade südlich vom Schloss sowie

* die Innensanierung des Wirtschaftsgebäudes (Kavaliersgebäude)

ausgegeben wurden.

 

Dank

Bauarbeiten an historischen Gebäuden und die Schaffung eines völlig neuen und einzigartigen Museumstypus erfordern großes Fachwissen und hohe Sensibilität. Ich danke allen, die durch ihr Können und ihren Einsatz zum Gelingen dieses Projektes beigetragen haben. Mein Dank gilt insbesondere

* den Planern und den ausführenden Firmen,

* der Schlösserverwaltung, insbesondere der Gartenabteilung,

* den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Schloss- und Gartenverwaltung Bayreuth und der Außenstelle Fantaisie für ihre engagierte und qualitätsvolle Arbeit sowie

* dem Staatlichen Hochbauamt Bayreuth, das über viele Jahre hinweg all die genannten Baumaßnahmen engagiert und sachkundig betreut hat.

Stellvertretend für alle Leihgeber möchte ich besonders

* die Bayerische Staatsgemäldesammlung,

* die HypoVereinsbank und

* mehrere oberfränkische Museen und Vereine, wie z.B. das Historische Museum Bayreuth, den Historischen Verein für Oberfranken und die Schützengilde St. Georgen und Bayreuth nennen. Für die Leihgabe wertvoller Unikate aus ihrem Fundus danke ich Ihnen sehr herzlich.

 

Spindler-Kabinett

Das Gartenmuseum und die historischen Gartenanlagen sind aber nicht die einzigen Attraktionen von Schloss Fantaisie. Das sogenannte Spindler-Kabinett setzt einen weiteren Glanzpunkt im Schloss. Das Spindler-Kabinett ist eine Intarsiensammlung aus der Rokokozeit mit Holzvertäfelungen aus edelsten Hölzern. Es diente Herzogin Elisabeth als Schreibzimmer.

Sie hatte die Holzvertäfelung wohl schon Ende 1763 bei den Bayreuther Kunstschreinern Johann Friedrich und Heinrich Wilhelm Spindler in Auftrag gegeben. 1764 begannen diese mit der Arbeit, folgten aber im gleichen Jahr einem Ruf Friedrichs des Großen nach Potsdam. Bei einem Besuch in Bayreuth stellten sie 1765 das Kabinett fertig. Nach dem Tod von Friederike Sophie wurde die Raumverkleidung ausgebaut und verkauft.

Herzogin Dorothee Sophie erwarb 1793 das Schloss, kaufte das Intarsienkabinett zurück und ließ es durch den Stuttgarter Hofschreiner Johannes Klinckerfuß restaurieren. 1937 veräußerte Edmund Fürst von Wrede, der damalige Besitzer von Schloss Fantaisie, jedoch das Intarsienkabinett erneut und zwar nach Nordamerika. 30 Jahre später wurde das Spindler-Kabinett von dem Freundeskreis des Bayerischen Nationalmuseums nach München zurückgeholt.

Aus rechtlichen und konservatorischen Gründen wurde eine Kopie des Intarsien-Kabinetts in Schloss Fantaisie eingebaut. Dies hat den ganz entscheidenden Vorteil, dass im Gegensatz zum originalen Spindler-Kabinett der Nachbau betreten und von den Besuchern hautnah begutachtet werden kann.

Es gelang, in Kombination überlieferter Arbeitsmethoden des 18. Jahrhunderts und heutiger Technik, eine Neuschöpfung der Holzvertäfelung mit ihrer farbenfrohen Marketerie herzustellen und hier in Schloss Fantaisie einzubauen.

Diese aufwendige Kopie verursachte Kosten in Höhe von 627.000 DM. Die Finanzierung war nur möglich, weil sich mehrere Partner zusammenfanden. Der Freistaat Bayern übernahm fast 50 % der Kosten, der Freundeskreis des Bayerischen Nationalmuseums stellte 150.000 DM, die Oberfrankenstiftung 127.000 DM und der Landkreis Bayreuth 50.000 DM zur Verfügung.

Allen, die sich an dieser beispielhaften Finanzierung beteiligt haben, danke ich sehr herzlich. Erst durch Ihr großes Engagement konnte dieses einmalige Projekt realisiert werden. Mein besonderer Dank gebührt natürlich dem Restaurator, Herrn Markus Haubs und seinen Mitarbeitern, für die hervorragende Arbeit. Bei unserem anschließenden Rundgang werden wird das "neue" Spindler-Kabinett bewundern können.

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

 

die Einrichtung dieses Museums beweist erneut, dass Bayern nicht nur eine führende High-Tech-Region ist, sondern auch ein bedeutender Kulturstaat.

Dem heute der Öffentlichkeit übergebenen Gartenkunst-Museum Schloss Fantaisie mit seinem herrlichen Spindler-Kabinett wünsche ich viel Glück und einen erfolgreichen Start.

Ich lade Sie nun zu einem Rundgang durch das Gartenkunst-Museum ein. Anschließend bitte ich Sie zu einem Imbiss in den Räumen des ebenfalls heute eröffneten Museumscafes (bzw. bei schönem Wetter auf der Terrasse auf der Südseite von Schloss Fantaisie).

 

aus: Bayerisches Staatsministerium der Finanzen

unkorrigiertes Manuskript

Es gilt das gesprochene Wort!


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